12 Foto-Tipps für Anfänger (+Beispielbilder)

Zuweilen erlebe ich in Foren, Gruppen oder auf Webseiten die immer gleichen Tipps zur Fotobearbeitung. Zumeist wird auch als ausschlaggebendes Kaufargument neue Technik, hohe Megapixelwerte oder der Wechsel zu System- oder Bridgekameras vorgeschlagen, da sie einem Trend folgen (immer kompakter, kleiner, benutzerfreundlicher). Wobei kein Fotograf voraussetzt, dass seriöse Fotografie leicht wäre und keine Übungs- oder Lernprozesse erfordert.

Hier nun meine Vorschläge, wie jedermann besser fotografieren kann. Ich erfinde das Rad nicht neu, aber eventuell entsteht ein Erkenntnisgewinn für Anfänger und Fortgeschrittene.

  1. FESTBRENNWEITE. Nicht mit dem Zoom arbeiten, sondern sich hin zum Objekt bewegen. Am besten nutzt man hier eine standardisierte FESTBRENNWEITE, die man z.b. bei Canon (50mm – 2,8 Blende) für preiswerte 100,- Euro erhält. So lernt man Entfernungen, Perspektiven besser abzuschätzen und ist auch immer im perfekten Schärfebereich.
  1. AUTOMATIKMODUS AUS. Es war in der analogen Fotografie gang und gäbe, sich mit dem BELICHTUNGSDREIECK (Iso-Wert, Blende, Verschlusszeit) zu beschäftigen. Der Automatikmodus macht Bilder nicht besser, sondern sucht eine gute Licht/Schatten/Kontrast Alternative, die mit manueller Bedienung immer bessere Ergebnisse liefert. Ja, es ist gewöhnungsbedürftig und anstrengend, setzt sogar Stressresistenz voraus, aber wenn ich Fotokurse gebe, wird kein Automatikmodus benutzt, weder Blenden- noch (Verschluss)Zeitautomatik. Dafür ist das Erfolgserlebnis um einiges höher, wenn man ein selbsterstelltes manuelles Foto betrachtet. Es ist analog zum Autofahren zu sehen, wenn man die Gänge selbst hochschaltet (kuppeln), bekommt man ein ganz anderes Gefühl für die Mechanik des Wagens.
  1. EXPERIMENTIERE. Nichts wird auf Dauer langweiliger als die immer gleichen Motive oder ähnliche Perspektiven. Lege die Kamera quer für mehr Dynamik. Suche ungewohnte Motive (Hauswände, Steinböden, Risse, Teilaspekte eines Tieres, Muster, geometrische Formen…). Die unbedeutendsten Dinge können tolle Hingucker sein, wenn man sie wertschätzt und wahrnimmt.
  1. NACHBEARBEITUNG. Falls euch irgendjemand erzählen sollte, Nachbearbeitung hat ein Profi oder guter Fotograf nicht nötig, dann lügt er. Jedes veröffentlichte Profifoto erhält einen digitalen Nachbearbeitungsfeinschliff, immer. Mal mehr mal weniger, zumeist mehr. Licht, Schatten, Kontrast (Gradationskurve), Schärfe, Bokeh, Farbsättigung, Vignettierung. Zwar überlegt man sich im Vorfeld schon, was man wie in Szene setzt, aber alleine Cropping (Ausschnittsvergrößerung) wäre schon ein Akt der Nachbarbeitung. Also nutzt den post process entweder wie ich über Apple Software (z.b. Affinity Photo) oder am Rechner mit (Lightroom, Photoshop, diverse Plug-ins).
  1. WELCHEN KAMERATYP? Jedes moderne Handy funktioniert als Einstieg in die Fotografie. Falls man sich eine Kamera kaufen möchte, rate ich eher zu einer Spiegelreflex als zu System- oder Bridgekameras. Was gegen beide Systeme spricht: Auswahl Objektive, Batteriegriff, Filter, teils kein Sucher und nur digital, zu leicht und klein, wartungsanfälliger und witterungsempfindlicher. Moderne Spiegelreflexkameras sind robust verbaut und die Vorteile (Argument der Hersteller) des fehlenden Spiegels bei Bridge oder System, stellt in der Praxis keinen Vorteil dar.
  1. JE MEHR MEGAPIXEL UMSO BESSER. Die maximale Darstellung eines 4k Fernsehers (3840 x 2160 = 8.294.400 Pixel) liegt unter einer 10MP Kamera in nativer (voller) Auflösung. Es ist eine Mär, dass man Kameras über 10MP benötigt, außer man ist unfassbar weit von einem Objekt (Safari – Tiere – Fluchtdistanz) entfernt und braucht nur eine minimale Ausschnittsvergrößerung. Die meisten Hobbyfotografen schauen sich ihre Bilder auf keinem FullHD TV an, geschweige einem 4k Gerät. Bedeutet, niemand sieht die volle Auflösung seines Bildes, weder auf dem Smartphone, Tablet, Ausdruck oder Fernseher. Glaubt den Megapixelzahlen als Ausdruck eines Qualitätsstandards nicht.
  1. FOTOGRAFIEREN IST TEUER. Der Einstieg in die digitale Welt ist äußerst preiswert, da wie vorher erwähnt es weder eine neue Kamera, noch hohe Megapixelzahlen benötigt. Bei einer Canon 400D (10,1 Megapixel) mit Standard Zoom (18-200mm, 4-5.6 Blendenöffnung) liegt man bei Ebay unter 150,- Euro. Ich rate mit einer gebrauchten Kamera zu beginnen, falls man nämlich merkt, dass doch das neue Handy mit „30 MP“ reicht, war die Erstinvestition nicht hoch. Im übrigen sind zumeist gute Bilder nicht der Kamera, sondern dem Fotografen geschuldet. 
  1. DIE ERSTEN 10.000 FOTOS SIND UNBRAUCHBAR. Dies ist eine landläufige Aussage und sie wird Helmut Newton zugeschrieben, die jedoch „leider“ stimmt. Ich fotografiere seit 1990, also knapp 28 Jahre und die meisten meiner Bilder der Anfangszeit, besonders seit der digitalen Fotografie, sind in der Nachbetrachtung teilweise grausam anzusehen. Schärfe, Falschfarben, Bokeh, Bildkomposition. Man lernt und betrachtet die eigenen Bilder mit der Zeit selbstkritischer. Mein eigener Maßstab ist aktuell ein 55Zoll 4K Fernseher. Wenn hier das Bokeh weich ohne Artefakte ist, die Schärfe/Unschärfe sitzt, die Farben natürlich wirken und die Bildkomposition stimmt, bin ich zufrieden. Unter 120×80 cm Leinwand oder Acrylglas, denke ich grundsätzlich nie.
  1. ALLE SAGEN ICH KANN NICHT FOTOGRAFIEREN. Ich bin auf diversen Plattformen vertreten (500px, youpic, fotocommunity) und die Bewertungen dort sagen nix aber auch gar nix über eure Fähigkeiten aus. Auch fand ich in Foren immer wieder Experten, die dir aus dem Kopf zwar die Kleinbildäquivalente (Faktor Objektiv, APS-c Sensor gegenüber Vollformat (Kleinbildsensor) zumeist x1,5. Bedeutet, ein 50mm Objektiv ist nur an einer Vollformatkamera (Kleinbildsensor) 50mm. An einer APS-c Sensor Kamera sind es (50mmx1,5 Faktor=75mm Brennweite) aufsagen oder die Scheimpflugsche Regel (zunehmende Verjüngung (spitz zulaufend) eines Objektes vom Boden aus betrachtet – z.b. Kirche) auswendig können, aber nulll komma null Talent in der Fotografie besitzen. Orientiert euch nur an Euch. Was euch gefällt. Es ist egal ob es andern mißfällt, weil sie nicht durch eure Augen sehen. Angebliche Profis mit teurer Ausrüstung und überheblichem Duktus wirken zwar, sind zumeist aber nur Dampfplauderer. Bleibt euch selbst treu und verfolgt euren Weg. Nehmt Ratschläge aber keine Belehrungen an. Fast jeder Profi mit Ahnung bleibt demütig, höflich und nimmt sich nicht allzu wichtig.
  1. AUSDRUCK <> BILDKOMPOSITION. Was möchte ich ausdrücken? Häufig fotografiert man Dinge, die einen auch persönlich beschäftigen. Wichtig sich vor dem Bild zu fragen, was möchte ich aussagen, was ist meine Intention? Soll das Motiv mittig sein oder am Rand erscheinen? Soll es scharf oder unscharf sein? Weich oder Grobkörnig? Will ich es in S/W oder farbig gestalten? Macro oder doch mehrere Objekte? Ist dies im Vorfeld geklärt, spart man sich eine Vielzahl von Bildern und sammelt nicht unnützes Bildmaterial.
  1. ICH BIN SEMI PRO UND JETZT? Wenn das Fieber da ist und man möchte immer weiter, schneller, höher, wird man nur durch das fehlende Equipment gebremst. Ab den 1000,- Euro Objektiven geht es zumeist auch in tausender Schritten nach oben. Grenzen gibt es kaum. Über 4000,- Euro für einen Canon EOS 1D X Mark Body. Mittelformatkameras von Leica oder Hasselblad für über 10.000 Euro. Objektive zum Preis eines Kleinwagens und dem Gewicht eines Kleinwagens. Grundsätzlich braucht man für bestimmt Objekte (Fußball, Safari, Personenfotografie) einfach teures Equipment, da hier eine offene Blende, durchgängig 2,8 nötig ist und ein perfekt abgestimmter Bildstabilisator, dazu z.b. eine Festbrennweite ab 500mm oder für Architektur 11mm Weitwinkel ohne absaufen der Randschärfe. All dies nützt wahrlich nichts, wenn der Fotograf kein Auge und kein Herz fürs Bild hat. Auch entscheidet man sich, ob man Peopleshoot, Sportfotografie oder z.b. Architektur fotografieren möchte. Die eierlegende Wollmilchsau im Profisegment gibt es kaum. Die Canon 5D für Personen, die Canon 1D für Bewegung. Es ist eure Entscheidung und euer Geldbeutel. Vollformat gegen APS-c Sensor oder Mittelformat.
  1. WERTSCHÄTZE DEIN BILD. Ich erlebe immer wieder Menschen, für die ist Fotografie so etwas wie ein Dia-Abend in den 70ern. Sie zeigen Bilder die sich immer wieder ähneln, zumeist von sich und die ausgesprochen langweilig sind, weil sie in meinen Augen den Sinn der Fotografie nicht verstanden. Sie haben keinen Bezug zu ihren „Kunstwerken“ und wertschätzen diese nicht. Wenn ich als Fotograf meine Bilder nicht schätze, wie soll es ein anderer tun? Fotografiert lieber weniger und gebt euch Zeit zur Nachbearbeitung. Lieber nur EIN Bild mit Aussagekraft, als hunderte voller Belanglosigkeit, die ihr euch eh nicht mehr anseht. Ein Grundsatz meiner Fotokurse lautet: Sei stolz auf deine Bilder und respektiere sie. Sie kosteten viel Schweiß und Fleiß. Gebt ihnen den Raum, den sie verdienen.
  1. WOMIT KNIPST KOPFGRIPPE? Ich bin ein neugieriger Mensch und nicht festgelegt. Ich nutze 2 Canon und 1 Nikon Spiegelreflexkamera(s), 2 Bridgemodelle (Panasonic) und eine Systemkamera von Samsung. Meine Systemkamera fast nur für Peopleshoot. Die Bridge ist wunderbar wenn ich faul bin und einfach ohne Streß (schweres Equipment) Bilder produzieren möchte, da die Brennwweite auch bei 700mm noch sehr gut ist. Die Canon mit nem feinen Canon Ultrasonic Zoom ist für gute Wetterbedingungen eine großartige Möglichkeit feine Bokehs mit maximaler Schärfe zu produzieren. Nikon weil ich den Vergleich zu Canon kennenlernen wollte.

Ich hoffe einer oder mehrer Tipps helfen weiter und wenn nicht, dann gratuliere ich zu einem feinen Wissen und gutem Auge. Das Wichtigste sei zum Schluss gesagt. Wenn man mal keine Lust hat…keinen Druck. Kreativität braucht freie Gedanken und keinen Stress. Manchmal ist Energie sammeln besser als dauernd zu shooten, um sich eventuell über die Ergebnisse dann nicht zu freuen. Eine eigene Erfahrung die ich gerne weitertrage.

Im übrigen ist die Fotografie deshalb so großARTig, weil sie Menschen verbindet und neue Perspektiven eröffnet. Man betrachtet die Umwelt anders. Sieht Blümchen aus einem anderen Blickwinkel. Erkennt sehr menschliche Züge in Tieren und sieht Dinge im Makrobereich, die den Augen sonst verborgen blieben. Man erkennt die Geometrie in der Natur und Architektur. Beschäftigt sich mit der Geschichte von Objekten und deren Ursprung oder ihrem Schöpfer. Es ist ein neues Wissensportal was sich öffnet und im besten Fall den eigenen Geist anregt und ihn für Neues empfänglich macht.

Beispiele:

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