Gewinner-Formel für perfekte Fotos (+Bilder und Hilfskarten)

Einleitung

Es gibt einen Goldschatz und dieser ist in der Fotografie weder in teuren Kameras, noch in Objektiven zu finden.

Zumeist, wenn ich in Foren oder auf Kauf-, Video- oder Bewertungsplattformen wie sozialen Netzwerken, Youtube, Saturn/Media Markt oder Amazon, Rezensionen zu Optiken oder Fotoapparaten lese, fällt auf wie unterschiedlich die Bewertungen sind. Dies widerum verunsichert Käufer. Wie kann es sein, dass Mister X sagt, dass das Objektiv, die Kamera brillant sei und Mrs. Y es wäre eine Katastrophe?

Die Bewertungen sind teils so konträr, als spräche man über 2 unterschiedliche Produkte und im weitestgehenden Sinne ist dies auch so. Wobei die 2 unterschiedlichen Produkte hinter und nicht vor der Kamera zu finden sind.

Um diesen gegensätzlichen Aussagen auf den Grund zu gehen, beschäftigen wir uns vor dem Belichtungsdreieck, zuerst mit einem der wichtigsten Aspekte der Fotografie, der Schärfe.

 

Was ist überhaupt Schärfe?

Das oberste Ziel in der Fotografie, genau den Bereich scharf zu stellen der für uns scharf sein soll. Nichts ist in der Nachbearbeitung schwerer zu manipulieren als Schärfe. Da Schärfe nämlich nichts weiter als Überstrahlung (Aufhellung) von Pixeln ist.

Wir tricksen unsere Augen aus und denken es schärfer zu sehen, jedoch nur weil dunkle Anteile jetzt heller leuchten. Sehr gut zu beobachten, wenn man sein eigenes Bild bis zum Einzelpixel heranzoomt (Bildbearbeitung) und nachschärft. Was passiert mit den zu schärfenden Pixeln und den Pixeln die danebenliegen? Sie bekommen keine magische Metamorphose, sondern werden nur greller.

Dieser Vorgang führt dazu, dass, wenn man sich Bilder von anderen Hobbyfotografen anschaut, häufig Rändersäume (Haloeffekt), erkennbar sind. Hier wurde zuviel nachgeschärft und das Bild verliert Homogenität, einen harmonischen Gesamteindruck.

Darüberhinaus werden keine verlorenen Details durch Nachschärfe dazugewonnen, es wirkt nur so. Wir glauben mehr Details zu sehen, dabei ist unser Bild einfach, wie gesagt, nur heller.

Zusammenfassend: Nachschärfen verbessert nicht den Detailgrad sondern überstrahlt Unschärfe und dadurch nehmen wir es schärfer war. Dunkle Pixel werden heller. Verlorene Details können nicht wiederhergestellt werden.

Beispiel (links überschärft, rechts scharf):

Das Belichtungsdreieck (Blende, IsoWert, BelichtungsZeit)

Zurück zu unseren Internet Rezensenten. Wie kann es also sein, dass Mister X das Objektiv, die Kamera großartig findet und Mrs. Y katastrophal?

Ich möchte nicht verleugnen, dass es Montags-Objektive oder Montags-Kameras gibt; auch nicht, dass eine Linse im Objektiv defekt sein könnte, Staub/Dreck vorhanden ist oder der Autofokus eine Fehlfunktion hat. Dies kann natürlich alles sein. In der Realität macht dies in meinen Augen jedoch einen Bruchteil aus. Ich hatte dies bei 6 Kameras und diversen Objektiven noch nie.

Die größere Wahscheinlichkeit ist, dass der Fotograf keine oder wenig Ahnung vom Belichtungsdreieck hat, dem goldenen Schatz der Fotokunst. Wie er den Iso Wert mit der Blende und der Belichtungszeit nutzt und wie dieses magische Dreieck im Zusammenspiel wirkt.

Danke an Hamburger-Fotspots.de für diese großartige Cheat Card (auswendig lernen und ausdrucken):

Es ist der Schlüssel (Belichtungsdreieck) zu allem was Fotografie ausmacht und wie ihr perfekt ausgeleuchtete Fotos produziert.

Und damit dies nicht in Fotosprache geschrieben wird, die eh die wenigsten verstehen, nutze ich klare verständliche Sätze.

Der Iso Wert

Stellen wir uns ein Foto vor was wir eben erst knipsten, wir schauen es uns über den Rechner an und finden es an sich gut gelungen, wundern uns aber über Artefakte (Fehlfarben in einfarbigen Flächen) oder Griseln (wie kleinste Punkte, Kratzer).

Beispiel: Flamingo in Nahaufnahme

Wir sehen links ein schönes rauscharmes Bokeh (Hintergrund) mit Iso 100, in der Mitte erhöhten wir den Wert auf Iso 800 und rechts auf Iso 1600. Man erkennt, je höher der IsoWert, umso unruhiger, verrauschter wird das Bild. Im Hauptmotiv, dem Flamingo, gehen dadurch Details verloren.

Schauen wir uns gemeinsam die Cheatcard an.

Je höher der Isowert, desto lichtempfindlicher, aber auch desto mehr Bildrauschen (Fehlfarben,Griseln,Kratzer) entsteht. Bedeutet, je höher der Isowert ist, umso weniger Licht brauche ich, aber die Gefahr besteht, dass sich unliebsames Rauschen aufs Bild niederschlägt. Dies ist von Kameratyp zu Kameratyp unterschiedlich. Manche Kamera-Objektiv-Kombinationen rauschen erst ab Iso 32.000, andere schon bei Iso 800.

Dies sollte beim Kauf beachtet werden, denn ein hoher Iso-Wert kann  in vielen Fällen Bilder „retten“, wenn die Umgebungslichtvorrausetzungen (Sonnenauf- und Untergang, Wolkenhimmel, Regen, Gewitter) suboptimal sind.

Blende (Aperture)

Die Blende ist aus mehreren Gründen ein komplexes, teils schwer zu verstehendes Thema:

1. Einerseits weil eine kleine Blendenöffnung (wenig Licht, der helle Punkt) eine große Blendenzahl und umgekehrt bedeutet (siehe Foto). Das klingt und ist in der Logik widersprüchlich.

2. Andererseits, da die feste Blende der Kamera, nicht die einzustellende Blende des Objektivs ist. Das Objektiv ist mit den angegebenen Anfangs- und Endblenden festverbaut und unveränderbar. Die Blende der Kamera jedoch gehört zum Belichtungsdreieck und ist modifizierbar. Eine kleine Blendenzahl eines Objektivs erleichtert die Fotografie , weil das Objektiv lichtstärker ist (der Umfang (Korpus) des Objektives ist dann zumeist größer), siehe Fotografen bei Fußballveranstaltungen.

Von Anfang an:

Kaufen wir uns ein Objektiv, sind auf dem Gehäuse eine Blendenzahl (Festbrennweite), respektive zwei Blendenzahlen (Zoomobjektiv) vermerkt. Die Anfangs- und die Endblende. Wir nehmen als Beispiel ein Canon Ultrasonic, 70-200mm (Brennweite) – f4-f5.6 (Blende).

Der erste Blendenwert (f4) sagt aus, was die geringste Blendenzahl (beste Lichtempfindlichkeit) ist, der zweite Blendenwert (f5.6) sagt aus was die maximale Blendenzahl (schlechteste Lichtempfindlichkeit) ist.

Wir lernen, da es Blenden schon mit einer Empfindlichkeit von (f/1,4) (siehe Bild) gibt, dass wir es beim 70-200mm mit keinem lichtstarken Objektiv zu tun haben. Und darüberhinaus, dass dieses Objektiv bei 70mm einen Blendenwert von (f4) hat, bei 200mm nur noch von (f5.6).

Das gleiche Motiv, zur gleichen Uhrzeit, mit den gleichen manuellen Einstellungen, wird bei 70mm eventuell perfekt ausgeleuchtet, bei 200mm aber zu dunkel abgelichtet. Hier muß entweder der Iso Wert erhöht, die Blendenzahl verkleinert oder die Verschlusszeit verlangsamt werden. Alle drei Faktoren bringen mehr Licht auf den Sensor und dadurch wird das produzierte Bild heller. Verändern wir alle drei signifikant, kann das Bild überstrahlt wirken.

Grundsätzlich gilt die Regel: Fotografiere ich „am langen Ende“, bedeutet das Zoomobjektiv ist voll ausgefahren (200mm), habe ich weniger Licht zur Verfügung als bei der Anfangsbrennweite von 70mm.

Dabei ist die Blende noch zu viel mehr gut, als etwas heran oder herauszuzoomen, nämlich entweder eine weite Landschaft abzubilden, oder nur einen kleinen Teil.

Je größer der Blendenwert (wenig Licht, hohe Tiefenschärfe, scharfer Hintergrund), also je kleiner die Blendenöffnung umso eher bekomme ich alles scharf z.b. weitläufige Landschaften, Personengruppen, Häuserzeilen.

Dagegen, steht ein kleiner Blendenwert (wenig Tiefenschärfe, unscharfer Hintergrund, viel Licht) mit einer großen Blendenöffnung (siehe Bild). Diese Blende nutzen wir um ein schönes Spiel aus Schärfe und Unschärfe zu gestalten. Zum Beispiel bei Makroaufnahmen, Peopleshoot, Linnienführung zu einem Objekt im Bild.

Beispiel: Schloss Pillnitz in Dresden (oben große Blende f/16, unten kleine Blende f/4)

Im oberen Bild verwendeten wir eine große Blende mit kleiner Blendenöffnung (durchgehend scharf). Im unteren eine kleine Blende mit großer Blendenöffnung (nur der Springbrunnen und der Rand scharf). So spielt man mit Perspektiven und lenkt den Betrachter hin zum Schärfebereich.

Belichtungszeit (Shutterspeed)

Mit der Belichtungszeit (Es handelt sich immer um einen Teil einer Sekunde, z.b. 1/8000s (Eine Achtausendstel-Sekunde)) entscheidet sich, ob wir Bilder scharf oder unscharf produzieren/wahrnehmen.

Wie oben zu sehen oder in der kompletten Übersicht der Cheat Card, wird unser Objekt mit schneller Belichtungszeit (Die Zeit zwischen öffnen und schließen des Spiegels) scharf, mit weniger Geschwindigkeit unschärfer. Langsamkeit kann man als Effekt nutzen, um Dynamik darzustellen, Schnelligkeit um Bilder „einzufrieren“.

Besser ist es, dass zu fotografierende Objekt scharf abzulichten, was sich im Alltag, im Sport (Motor, Fußball…), bei Tieren oder spielenden Kinder nicht immer einfach gestaltet, weil Motive grundsätzlich nicht das wollen, was der Fotograf will.

Natürlich ist ein in sich ruhendes stilles Erdmännchen nett anzuschauen und nicht schwer zu fotografieren, aber wie wäre es einen Reiher zu erwischen, der kurz ins Wasser eintaucht, einen Fisch dabei erbeutet und gerade in der Auftauchphase ist. Das spritzende Wasser als Gischt, den nassen Reiher, den zappelnden Fisch…Dynamik pur. Dafür nutzen wir die Belichtungszeit, jedoch ist immer zu beachten, dass, je weniger Licht auf den Spiegel trifft (schnelle Belichtungszeit), umso dunkler das Bild wird.

Shutterspeed (Belichtungszeit) variiert von Kamera zu Kamera. Meine maximale Belichtungszeit meiner Kameras liegt bei 1/8000s. Viele werden sich vielleicht fragen, reicht das nicht? Kommt aufs Motiv an. Fliehende Faultiere oder Schildkröten sind jetzt kaum das Problem.

Ich zum Beispiel arbeite gerne mit Fontänen. Meine Zielsetzung sind immer selektierte Wassertropfen, in denen sich die Umgebung wiederspiegelt. Ein einzelner Wassertropfen als eigene kleine Welt. Dabei nutze ich an meiner 7d Mark I, eine Belichtungszeit von 1/8000 Sekunde bei 200mm an einem Canon USM Objektiv (Ultraschall). Meistens die kleinste Blendenzahl f/4 und höchstens bis Iso 400.

Beispiel: Wassertropfen eines Springbrunnens

Bild – oben (1/125s Belichtungszeit), Bild – mitte (1/8000s Belichtungszeit) , Bild – unten (Ausschnittsvergrößerung des mittleren Bildes (1/8000s))

Und was mache ich jetzt mit dem Wissen?

So jetzt haben wir in der Theorie gelernt, das hohe Iso Werte Bildrauschen erzeugen können. Eine geringe Belichtungszeit Unschärfe produziert. Eine große Blendenöffnung vieles „Unscharf“ stellt, eine kleine Blendenöffnung vieles „Scharf“.

Doch wie kommen diese 3 Komponenten (Blende, Iso, Zeitwert) zusammen?

Was muss ich eigentlich einstellen, wann und warum? Wie wirkt es sich aus, wenn ich 32.000 Iso bei Tageslicht auswähle? und macht das überhaupt Sinn? Kann ich bedenkenlos, wenn ich eine Bewegung einfrieren möchte, 1/4000s einstellen, ohne dass es Auswirkungen auf die anderen Faktoren des Belichtungsdreiecks hat?

Leider ist die Lösung mit Arbeit verbunden und die lautet:

Mich buchen oder selbst üben, üben und nochmals üben.

Bei trüben Wetter raus, bei hohem Sonnenstand, des Nächtens, bei Regen und Gewitter. Hunde, Vögel, Natur oder das eigene Kind bei wechselndem Wind und Wetterbedinungen ablichten und mit den Einstellungen der Kamera spielen. Keine Sorge, da geht nix kaputt.

Einige Vorschläge:

Möchte ich Wassertropfen eines Brunnens bei Sonnenhochstand also perfekten Bedingungen?

Belichtungszeit auf 1/8000s oder höher, Blende 4 oder kleiner (wir brauchen nicht viel Schärfe im gesamten Bildspektrum), Iso 400 max. (für weiches Hintergrund Bokeh).

Familienfeier bei schlechtem Wetter?

Festbrennweite drauf, Belichtungszeit auf min 250/s, 12 oder 16 Blende, max 800 ISO. Wenn’s zu dunkel ist entweder ISO höher, Blende oder Belichtungszeit runter.

Tiere im Zoo hinter Glas im Innenraum?

Zoomobjektiv komplett ausfahren, f/4 Blende damit die Scheibe verschwimmt, ISO bis 1600, Belichtungszeit über 1/500s. Kein Blitz.

Nur ein paar Beispiele, die nur als Anregung dienen und nicht zu 100 Prozent seriös umgesetzt werden können, da ich weder Ihr Foto-Equipment kenne, noch die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort.

Die eigene Erfahrung und der Erfolg dabei ist jedoch immer der schönste Moment, nachdem man hunderte Male fluchte, weil das Bild zu dunkel wird, ab und an zu hell oder zu unscharf, zu pixelig.

Geben Sie sich die Zeit, die Muse und denken Sie an Rom. Das wurde damals zwar nicht abgelichtet, jedoch auch nicht an einem Tag erbaut.

Viel Erfolg bei der Übung und der Begeisterung über eingenständige Bilder ohne Automatikmodus.

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